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26.07.2021

DIW-Studie: Vollversorgung durch Erneuerbare ist möglich und sicher

Berlin - Eine der zentralen Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel ist der Umstieg auf eine Vollversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) könnte das in Deutschland bereits bis 2035 gelingen.

Nach einer aktuellen Studie des DIW Berlin könnte der nationale Energiebedarf schon bald vollständig durch Erneuerbare Energien (EE) gedeckt werden. Dazu müssten die Ausbauziele entsprechend erhöht werden. Die Versorgungssicherheit könnte dabei gewährleistet werden.

Nationales Ausbautempo bei der Wind- und Solarenergie muss stark erhöht werden
Der gesamte deutsche Energiebedarf ließe sich innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre ausschließlich mit erneuerbaren Energien decken. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie des DIW Berlin, für die die Energieökonomen Claudia Kemfert, Christian von Hirschhausen, Mario Kendziorski und Leonard Göke Szenarien einer Vollversorgung durch Photovoltaik, Windkraft und andere Erneuerbare berechnet haben. „100 Prozent erneuerbare Energien sind technisch möglich und ökonomisch effizient - und vor allem dringend nötig, um die europäischen Klimaschutzziele erreichen zu können“, so die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin Claudia Kemfert.

Den Berechnungen zufolge könnte nicht nur die Stromnachfrage, sondern die gesamte Energienachfrage in Deutschland mit Erneuerbaren Energien gesichert werden (Sektorkopplung). Voraussetzung dafür ist, dass das nationale Ausbautempo bei der Wind- und Solarenergie stark erhöht wird. Im Fall einer EE-Vollversorgung würde die Stromnachfrage in Deutschland aufgrund des Trends zur Elektrifizierung stark steigen und bei über 1.000 statt gut 500 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2018 liegen. Dafür wäre der gesamte Energieverbrauch mit gut 1.200 TWh im Vergleich zu knapp 2.600 TWh (2018) weniger als halb so hoch.

Einbindung in europäisches Stromnetz Pfeiler des Energiesystems
In der Studie wurden zwei Szenarien berechnet, die einen erneuerbaren Erzeugungsmix in ganz Europa beinhalten und sowohl Strom als auch Wärme und den Transport berücksichtigen. Das integrierte Szenario, das den Ausbau der Erzeugungs- und Speicherkapazitäten in Verbindung mit dem nötigen Netzausbau betrachtet und eine Balance zwischen beidem anstrebt, ist dabei dem desintegrierten Szenario überlegen: In ersterem wird die Energie näher an den Verbrauchern erzeugt, was etwa den Bedarf an Batteriespeichern und Stromleitungen reduziert.

Trotz der dezentraleren Erzeugungs- und Speicherstrukturen wäre die Einbindung in das europäische Stromnetz weiterhin möglich und wichtig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dass diese bei einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien nicht gefährdet ist, berechneten die Forschenden exemplarisch anhand der Stromerzeugung und des Stromverbrauchs im Winter zum Zeitpunkt der niedrigsten Einspeisung von PV- und Windstrom.

Zusammenarbeit auf allen Ebenen nötig
Um dem Ziel einer Vollversorgung durch erneuerbare Energien schnell näher zu kommen, müssen EU-, Bundes- und Landesebene enger und koordinierter zusammenarbeiten, so das DIW. 100-Prozent-Erneuerbare-Szenarien sollten in die Planung des gesamten Energiesystems einbezogen werden, vor allem in die Netzplanung - sowohl für Deutschland als auch für Europa. Vor allem auf europäischer Ebene sei die Anpassung der laufenden Zehn-Jahres-Entwicklungspläne besonders dringend erforderlich, da diese nach wie vor erhebliche fossile Kapazitäten und Kernkraft vorsähen. Auch der Netzentwicklungsplan in Deutschland basiert nach wie vor auf einem hohen Anteil fossiler Erdgasverstromung. „Das sind die Schatten einer Energiepolitik von gestern - nun müssen wir dringend auf Morgen umschalten“, fordert Kemfert ein Umdenken.


Quelle: IWR Online
© IWR, 2021


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